Klassik Trophy / Odenwaldring Walldürn 09.-11.06.2017

Veröffentlicht von

Von Stefan Horwege

Einer weiteres Rennen der Klassik Trophy stand für das zweite Juni-Wochenende auf meinem Motorsport-Kalender. Anreise war für Donnerstag den 08. Juni geplant. Die geplante Abfahrt verzögerte sich dann um einige Stunden, da mir so nach und nach einfiel, was ich noch vergessen habe vorzubereiten (tja, hier wär eine Checkliste von Vorteil, muss ich wohl mal in Angriff nehmen). Viel später als geplant ging es los, was aber den Vorteil hatte, dass der komplette Berufsverkehr auf der Autobahn in den Ballungsräumen durch war und ich freie Fahrt hatte.
Gegen 22:30 Uhr in Walldürn angekommen, baute ich sofort meinen Pavillon auf und richtete mich häuslich ein. Nach einer (sehr) kalten Nacht stellte ich morgens fest, dass der Platz gut gewählt war, da mir gegenüber ein Bekannter aus der Yamaha RD-Szene seine Zelte aufgeschlagen hatte. Ich war also nicht allein. Nach dem Frühstück schnell den Papierkram erledigt und das Motorrad zur Technischen Abnahme gebracht.

Nachdem das erledigt war, erstmal eine Runde durch gesamte Fahrerlager gehen und nachsehen, wer so alles da ist, den ich vielleicht von meinem ersten Rennen in Franciacorta kenne. Dabei entdeckte ich dann auch unseren Club Kollegen Sven Benin, der mit der ganzen Familie in seinem neuen Wohnmobil angereist war. Wir begutachteten gegenseitig unser Motorräder und gerade als wir bei meinem waren, wurde es sehr windig und mein Pavillon drohte wie ein Drachen davonzufliegen (Hinweis für die zu erstellende Checkliste: Zeltheringe und Abspannseile aufschreiben und das nächst Mal einpacken). Mit vereinten Kräften wurde mein Lager optimiert, so dass der Wind keinen Gefahr mehr darstellte.

Nachmittags, es wurde wettertechnisch immer unfreundlicher, ging es dann los mit den Trainings- und Qualifying–Runden. Glücklicherweise blieb der erwartete Regen zu der Zeit aus und meldete sich erst nach dem letzten Lauf des Tages. Dann aber gewaltig. Eine schwarze Wolkenwand, in der Blitze zuckten, kam direkt auf uns zu und entlud sich kurze Zeit später. Glücklicherweise war der Spuk eine Stunde später vorbei und entschädigte uns mit zwei tollen Regenbögen. Einigen Teilnehmern hat dieser Spuk allerdings das Zelt/den Pavillon gekostet, weil diese mit den Wassermassen nicht zurecht gekommen sind. Nach dem Abendbrot ging es dann in die zweite kalte Nacht.

Samstagvormittag hatte ich dann das 2. Qualifying. Leider war es wie am Vortag so, dass wir im Vorstart mehr als eine halbe Stunde stehen mussten, weil, wie am Freitag, ein Viertakter, sein Öl über die gesamte Strecke verteilt hatte und erst einmal alles abgestreut werden musste. Nach 5 Minuten Stehen entschied ich mich, wie all die anderen (die Sonne brannte bereits vom Himmel), den Helm abzusetzen. 15 Minuten später hatte ich meinen ersten Sonnenbrand auf dem nicht mit Haaren verwöhnten Kopf. Irgendwann ging es dann doch los und ein netter Mensch tat mir den Gefallen mich anzuschieben. Ich denke im Nachhinein hat er diese Entscheidung bereut, denn es dauerte bis zum Ende der Vorstartgasse, bis das Motorrad endlich ansprang. Am Ende erreichte ich Startplatz 15 im Qualifying bei ca. 25 Startern. Für mich mit meiner geringen Rennerfahrung eine tolle Position mitten im Feld (in Franciacorta musste ich noch vom letzten Platz starten). Dann kamen die Ratschläge von einigen, die mich beobachtet haben: „du musst Dich mehr auf dem Motorrad bewegen“, „du sitzt viel zu steif“, „mit deinem Fahrwerk stimmt was nicht“, „du hüpfst durch die Kurve wie ein Känguru“ usw. … Musste ich mir Sorgen machen? Egal, ich lasse alles wie es ist und fahre meinen ersten Lauf am späten Nachmittag. Plötzlich, irgendwo verquatscht, wurde die Zeit für die Startvorbereitung knapp. Rein in die Kombi, Schuhe an, Helm auf, Handschuhe an und schnell auf die Startmaschine vom Nachbar-Zelt und… Motorrad springt nicht an, nochmal versucht und… Motorrad springt nicht an. Verzweiflung macht sich breit, nochmal….Motorrad will einfach nicht anspringen. Rettende Idee: Startpilot. Nochmal versucht, Startpilot rein und….. Motor läuft. Schnell zum Vorstart. Vorstart leer. Die andere Teilnehmer sind schon auf der Strecke und warten am Start auf ihre Einführungsrunde. Mit Betteln und nach einigen Funksprüchen der Vorstart-Aufsicht mit der Rennleitung durfte ich mich in der Einführungsrunde hinten im Feld einreihen und musste dann aber vom letzten Platz starten. Egal, wichtig ist das Fahren.
Mann mit der roten Flagge geht weg. Ampel auf rot. Drehzahl auf 10.000. Ampel aus. Kupplung kommen lassen und von hinten durchs Feld geflogen. Alle verlorenen Plätze mit dem Start gut gemacht. Durch die Schikane. Alles läuft prima. Die erste Kurve, Bremse und Reifen machen noch nicht das was ich will. Zum Glück war der Platz zwischen den Strohballen weit genug und der Weg zum Zaun so weit, dass ich genügend Platz für eine Wende hatte, um wieder auf die Strecke zu gelangen. Und da war ich wieder auf dem letzten Platz im Feld. Am Ende gelang es mir auf Platz 14 durchs Ziel zu fahren und ich musste feststellen, das Aufholen mehr Spaß macht, als verfolgt zu werden. Der Samstagabend ist dann bei Livemusik langsam ausgeklungen und es ging in die dritte kalte Nacht (Hinweis für die Checkliste: zusätzliche Decke mitnehmen).

Der Sonntagmorgen überraschte uns dann mit Sonnenschein ohne Wolken. Die Fahrer aus meiner Klasse begannen darüber nachzudenken Wetten abzuschließen, ob die Viertakter heute wieder so viel Öl auf die Stecke legen und wir wieder lange im Vorstart warten müssen. Aber dieses Szenario wurde uns nicht noch einmal geboten. Dafür eine Unterbrechung wegen des Einsatzes eines Rettungshubschraubers, der einen gestürzten Viertaktfahrer (angeblich gebrochener Oberschenkel) abholen musste. Mit verkürzten Vorstartphasen wurde die verlorene Zeit aber ruck-zuck wieder eingeholt, so dass die Starts sich nur geringfügig verzögerten. Da ich mir den Wecker in meinem Mobiltelefon gestellt hatte, war am Sonntag Zeit genug für die Startvorbereitung. Ein am Vortag mit Motorschaden ausgeschiedener Fahrer meiner Klasse unterstütze mich und gemeinsam bekamen wir das Motorrad, wieder nur mit der Hilfe von Startpilot, zum Laufen. Ab zum Vorstart. Diesmal rechtzeitig, so dass ich tatsächlich von Startplatz 15 ins Rennen gehen konnte. Im Gegensatz zum Vortag, hatte ich aber im Vorwege auf den Rat von einigen Fahrern gehört und etwas Öl aus meiner Gabel entfernt. In der Einführungsrunde stellte ich fest, das sich die enge 180° Kurve viel besser fahren ließ und dachte bei mir, alles richtig gemacht. Einführungsrunde entspannt durchgefahren. Aufstellung steht, Mann mit roter Flagge geht von Strecke, Ampel auf Rot, 10.000 Umdrehungen, Ampel aus und los geht’s. Start lief Klasse, Schikane läuft prima, erste Kurve, dank weniger Öl in der Gabel nicht mehr wie ein Känguru, nächste Schikane gut durchgekommen aber ich sitze immer noch zu steif. Vollgas, die schöne lange Gerade entlang, 150 Meter bis zur schnellen 180° Kurve, Gas weg, Bremsen schalten, Lenkvorgang einleiten……., Lenkvorgang einleiten. Irgendwas stimmt nicht, das Grün kommt näher, Erinnerungen aus Franciacorta wurden wach. Ähnliche Situation. Sollte sich wirklich wieder der Kotflügel in der Verkleidung verhakt und damit den Lenkeinschlag auf ein Minimum reduziert haben? Kurve geschafft, ohne Ausflug ins Grüne, gerade so gut gegangen. Beim Beschleunigen auf der Start-Zielgeraden bestätigte sich meine Vermutung. Gabel kam so gut wie nicht mehr aus der Federung und die Verkleidung zog beim Beschleunigen nach unten. Problem erkannt. Nicht abbrechen, Versuch starten, eine zweite Runde mit veränderten Bremspunkten und anderer Linie zu fahren. Geht! Weiterfahren, nicht aufgeben, auf den Geraden alles geben. Drei Runden, vier Runden usw…., es läuft. Dann endlich die erlösende schwarz-weiß karierte Flagge. Ergebnis: Trotz technischen Problems Platz 13, einer besser als am Vortag (das lag dann aber eher an den Fahrzeugen, die am Sonntag auf Grund technischer Problem ausgefallen sind).

Glücklich, alle Läufe ohne wirklich große Problem überstanden zu haben, machte ich mich an den Abbau meines Lagers, denn es lagen ja noch ca. 650 Kilometer zurück vor mir. Nachdem alles verpackt war, ging es noch eine Abschiedsrunde durch das Fahrerlager. Am T-Shirt Stand verabschiedete ich mich von Freddie Spencer (1983 gewann er als jüngster Motorrad-WM-Pilot die 500-cm³-Weltmeisterschaft, zwei Jahre später wurde er Doppelweltmeister in den Klassen bis 250 und bis 500 cm³), mit dem ich am Samstag ein paar Worte wechseln konnte und der das ganze Wochenende vor Ort war um dort geduldig Autogramme zu schreiben und Selfies mit sich machen zu lassen. Ein tolles Rennwochenende war dann nach langer Autofahrt (völlig ungewöhnlich ohne Staus), gegen Mitternacht am Sonntag zu Ende. Auto und Anhänger ausräumen, zu Bett gehen und vor allen Dingen nicht vergessen den Wecker zu stellen, denn Montag geht’s wieder zur Arbeit. Schön dass es dann nur vier Tage sind, bevor es wieder losgeht, und zwar zu einer echten Moto GP Stecke, den „Sachsenring“. Davon aber mehr im nächsten Bericht.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.