Chronik

HMC von 1924

1924 herrschte Aufbruchstimmung in Hamburger Motorsportkreisen: Der gerade erst gegründete Hamburger Motorrad-Club (HMC) veranstaltete am 25. Mai das Straßenrennen „Großer Hansa-Preis 1924“ für Motorräder „jeder Stärke ohne Sozius, aber mit und ohne Seitenwagen“ mit 210 Kilometern über öffentliche Straßen von Hamburg nach Lübeck, Eutin, Plön, Neumünster und wieder nach Hamburg. Ganze vier Tage später am Himmelfahrtstag folgte ein Rundestrecken-Rennen auf der Trabrennbahn Farmsen. Und damit sich die Fahrer mit der 1200 Meter langen Strecke vertraut machen konnten, war die Trabrennbahn in den Nachmittagsstunden geöffnet für Trainings. Die Farmsener Bahnrennen wurden in den folgenden Jahren zu einer festen Größe in Norddeutschland. Bis 1937 veranstaltete der HMC insgesamt 26 Bahnrennen in Farmsen, weitere – auch internationale – Rennen gab es von 1928 bis 1932 auf dem Dirt-Track-Oval in Lokstedt, auf dem heutigen NDR-Gelände. Doch der HMC suchte immer auch nach einer Möglichkeit für einen Straßenrundkurs innerhalb der Hansestadt. Bis dann im September 1934 das erste solche Rennen im Stadtpark stattfinden sollte, gab es den HMC offiziell nicht mehr. Der Machtergreifung der Nationalsozialisten fielen auch alle Motorsport-Clubs, also auch der HMC, zum Opfer, sie wurden „gleichgeschaltet“ und gingen auf im DDAC (Der Deutsche Automobil-Club e.V.) oder dem NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps). 1934 fand dann das erste von insgesamt drei Vorkriegs-Rennen im Stadtpark statt. Als offizielle Veranstalter fungierten DDAC und NSKK, de facto waren es aber die früheren Mitglieder des HMC mit ihrer jahrelangen Erfahrung bei der Organisation der Hamburger Bahnrennen vor 1933. Zum dritten Stadtpark-Rennen 1939 kamen 150.000 Zuschauer, es war das größte aller acht Stadtpark-Rennen.

HMC von 1946

Nach dem Krieg sammelte Wilhelm Kerl eine Handvoll Motorsportler, und die gründeten am 7. Juli 1946 den Hamburger Motorsport Club (HMC) (ADAC) e.V. – laut Satzung in der „Tradition des am 13.8.1924 gegründeten Hamburger Motorrad-Clubs.“
Schon nach fünf Jahren hatte der HMC über 600 Mitglieder, darunter viele aktive Motorsportler. Der bekannteste war Herbert Drews, der schon 1938 und ’39 bei den Stadtpark-Rennen gestartet war. Drews fuhr gleichermaßen Straßen- und Bahnrennen und starb 1949 bei einem Rennunfall. Zu seinen Ehren fanden sowohl beim Stadtpark-Rennen 1949 als auch in Farmsen ein „Herbert-Drews-Gedächtnisrennen“ statt. Und ebenso wie die Stadtpark-Stars wie Georg „Schorsch“ Meier, Heiner Fleischmann, H.P. Müller oder Ewald Kluge prägte Drews auf seine Weise den Motorsport-Nachwuchs: Seine Maschinen, die er in den Nachkriegs-Rennen mit viel Improvisationsgeist aus unterschiedlichen Fabrikaten zusammengebaut hatte, stellte er Ausweisfahrern zur Verfügung. 1947 veranstaltete der HMC das erste von fünf Nachkriegs-Rennen im Stadtpark. Bei zwei dieser Rennen (1947 und 1949) starteten auch Sportwagen, hochkarätiger waren aber jedes Mal die Motorrad-Läufe, die immer zur Deutschen Meisterschaft gehörten.
Seriensieger waren Schorsch Meier und H.P.Müller, der später noch Weltmeister werden sollte. Weitere zukünftige Champions fuhren im Stadtpark: Werner Haas, Bill Lomas und die ersten deutschen Seitenwagen-Weltmeister Wilhelm Noll/Fritz Cron.

Im Juni 1953 organisierte der HMC wieder ein Bahnrennen in Farmsen, im August folgte das erste internationale Grasbahnrennen auf der Galopprennbahn Hamburg Horn. Eine weitere Strecke, diesmal im kürzeren 400-Meter-Aschenbahn-Oval, gab es auf dem von Engländern umgebauten Schulsportplatz in Barmbek Langenfort.
Am 6.7.1958 fuhren auch Rennwagen in Farmsen, die damalige Formel 3, 1969 folgten Gran-Tourismo-Wagen und Monoposti der Formel Vau – wohlgemerkt auf dem Sand-Oval der Trabrennbahn!

Der erfolgreichste Fahrer dieser Jahre hieß Alfred Dannmeyer (HMC-Mitglied Nr. 32), der zwischen 1949 und 1969 allein 399 1. und 2. Plätze in neun europäischen Ländern einfahren konnte.

 

Ein echter Höhepunkt für den HMC war 1979 und 1980 die Durchführung von zwei Weltmeisterschaftsläufen in Farmsen. Nicht zuletzt durch Egon Müller – übrigens wie in den 50ern schon Schorsch Meier auch Ehrenmitglied im HMC – gab es damals einen richtigen Bahnsport-Boom in Norddeutschland. Weitere Aktivitäten waren Geschicklichkeitsturniere, Seifenkistenrennen für den Nachwuchs und gemeinsame Ausflugs- oder Orientierungsfahrten. 1983 fand das letzte Motorrad-Bahnrennen in Farmsen statt. Es waren insgesamt 59 Renn-Veranstaltungen seit 1934.

Der MC von heute

1999 begann mit den Stadtpark-Revivals ein neuer Abschnitt für den HMC. Diese bis heute stattfindende Oldtimer-Veranstaltung erinnert an die acht historischen Stadtpark-Rennen. Von Anfang an war der HMC an der Planung und Durchführung beteiligt. So organisiert der Verein die Motorrad- und Renngespann-Läufe und das entsprechende Fahrerlager. Und die Autosportler im HMC – wie Volker Weber (Porsche 356, Bj. 1961), Werner Trapp (Jaguar E-Type, Bj. 1968,), Jens Schröder (Mercedes Benz 200, Bj. 1967) oder die Niemann-Geschwister Norma und Hossein (De Tomason Pantera, Bj.1971; Alfa Romeo, Bj.1979 oder Porsche 964 RS, Bj. 1992) – fahren die historischen Sportwagen als Safety-Cars, um allzu forsche Revival-Fahrer einzubremsen.
Neben echten Rennfahrzeugen aus vergangenen Jahrzehnten liegt der sportliche Wert bei den Stadtpark-Revivals in den Gleichmäßigkeitsprüfungen. Für einige Zuschauer ist das nicht immer ersichtlich: HMC-Sportwart Volker Weber fährt mit seinem 1961er-Porsche 356 diese Prüfungen. Und wenn er in der Zielkurve verlangsamt, um seine Rundenzeit möglichst genau zu treffen, sieht er immer wieder nach unten gezeigte Daumen einiger Zuschauer, die wohl eher Vollgas-Drifts erwarten.

Durch die Kontakte des früheren langjährigen HMC-Sportwarts Klaus Schüßler, selbst von 1954 bis 1982 aktiver Motorrad-Rennfahrer, startet bei den Revivals seit 2006 die Sonderklasse, u.a. mit den Mehrfach-Weltmeistern Dieter Braun und Rolf Steinhausen oder den internationalen Legenden Jim Redman und Phil Read.

Die historischen Stadtpark-Rennen kennen der ehemalige HMC-Vorsitzende Gerd Zander (Foto r. auf dem Harley-Gespann) und Klaus Schüßler noch aus ihrer Kindheit, in der sie sich regelmäßig durchs Gebüsch ins Fahrerlager auf der Festwiese geschmuggelt haben. Beide wurden damals „infiziert“: Wie Schüßler fuhr auch Gerd Zander früher Rennen, allerdings Sportwagen und Formel Vau.

Auch heute noch fahren HMC-Mitglieder bei richtigen Rennen, u.a. dem FHR Langstreckencup, der SportsChampSerie, dem Zweitakt-Cup und anderen Old- und Youngtimer-Veranstaltungen.